Reiz und Scham

Morgen ist es endlich soweit, dann eröffnet im Augsburger Textilmuseum tim die Sonderschau „Reiz und Scham“ Für Dessousfans von besonderem Interesse dürfte der zweite Teil der Ausstellung sein, denn der widmet sich dem mehr oder weniger erotischen „Untendrunter“. Zu sehen gibt es die Kulturgeschichte der Unterwäsche seit 1850 anhand 250 Originalexponaten.
Die Ausstellung zeigt zum Beispiel das Korsett aus ganz verschiedenen Blickwinkeln. So nutze junge Frau im 19 Jahrhundert das Schnürmieder noch ganz selbstverständlich, um ihren Körper in eine zarte, zierliche, zerbrechliche Idealform zu bringen. Umso schmaler der Hüftumfang, desto besser schienen die Heiratschancen. Doch nicht nur damals fanden die Männer das Kleidungsstück erotisch: Das Korsett hebt und betont den Busen, das Dreieck der im Schoss auslaufenden Schnebbe deutet auf die weibliche Scham. Mediziner kritisierten jedoch schon zeitig, dass das enge Korsett die Organe einschnürte. Heutzutage ist das Schnürmieder ein modisches Accessoire, das sogar als Oberbekleidung getragen wird. Noch 1990 löste Popstar mit dem von Jean-Paul Gaultier geschaffenen goldene Korsett einen Skandal aus. Wegen ihres Outfits und Auftritts drohte ihr in Kanada sogar die Haftstrafe.

Reiz und Scham, tim Augsburg
Bild: Korsett und Cul de Paris um 1890 || Sascha Schneider, tim Augsburg

Die Sondersausstellung geht der Frage nach: Was durfte und darf dabei vom Körper gezeigt werden und was nicht? Eine wichtige Rolle speilen dabei die Grenzbereiche: Was ist gerade noch akzeptabel und was verstößt schon gegen die ungeschriebenen Gesetze von Reiz und Scham? Wo und wie können die Regeln
gefahrlos gebrochen werden? Grundidee der Präsentation ist, dass Anlass und Örtlichkeit die jeweiligen Schamgrenzen definieren. So gelten aauf der Straße, im Bad oder beim abendlichen Fest unterschiedliche Regeln. So hätte eien Frau, ein tief ausgeschnittenes Ballkleid, das in einem Festsaal des 19. Jahrhunderts als üblich und attraktiv galt, unmöglich auf der Straße tragen können. Doch auch heute gibt es solche Grenzen noch: Ein knapper Bikini ist auch im modernen Berufsalltag undenkbar…

Reiz und Scham, tim Augsburg
Bild: Dessous und Petticoat der 1950er Jahre || Sascha Schneider, tim Augsburg

Besonders Interessierten bietet sich die Möglichkeit, an einer einstündigen Sonderführung teilzunehmen. Dabei bekommen Besucher unerwartete Einblicke in die reizvolle Geschichte von Verhüllung und Enthüllung vor allem des weiblichen Körpers. Was wurde zu verschiedenen Zeiten drunter, was wurde drüber getragen? Welchem Modediktat waren die in Korsetts gezwängten Damen des 19. Jahrhunderts ausgesetzt und welche Freizügigkeit herrschte in den Hinterzimmern? Die Besucher können verfolgen, wie sich gesellschaftliche, politische und kulturelle Strömungen immer wieder verschoben und mit ihnen das, was als reizvoll oder auch anstößig empfunden wurde.

Geöffnet ist das tim von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 9 bis 18 Uhr. Die Sonderausstellung „Reiz & Scham – Kleider, Körper und Dessous“ ist vom 27. Mai bis 3. Oktober dieses Jahres zu sehen. Führungen können unter der Telefonnummer (0821) 81001-50 von Dienstag bis Freitag in der Zeit zwischen 10 und 15 Uhr gebucht werden.

Reiz und Scham, tim Augsburg
Bild: Slip „Sven“ || Sascha Schneider, tim Augsburg
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~ von dessousblog - 26. Mai 2011.

2 Antworten to “Reiz und Scham”

  1. […] Unterwäschegeschichte scheinen im Trend zu liegen. Jetzt, wo im Augsburger tim die Schau „Reiz und Scham“ langsam ihrem Ende entgegen geht (noch bis 3. Oktober), haben die Österreicher bald […]

  2. […] bereits im Augsburger Textilmuseum tim gezeigte Schau „Reiz und Scham“ ist ab diesem Wochenende in Chemnitz zu sehen. Ergänzt wird die Ausstellung um eine Sonderschau […]

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