Palmers wirbt mit blinder Frau

Vor kurzem hatte ich noch über den Werbespot Giselle Bündches für die Dessous-Marke Hope und die dadurch entstandene Diskussion berichtet. Während ich an diesem Beispiel zumindest ansatzweise noch nachvollziehen kann, dass Frauenrechtlerinnen sich über die Reduktion der Frau zum sexy Dummchen empören können, finde ich den aktuellen „Skandal“ um den Fernsehspot von Palmers eher seltsam. In dem Filmchen ist eine junge Frau zu sehen, die sich genussvoll in sexy Dessous kleidet. Am ende des Spots stellt sich heraus, dass die Frau blind ist. Der Slogan von Palmer lautet: Sinnlichkeit, die man fühlt.

Dem Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverband (ÖBSV) gefällt der Werbefilm nicht: Blindheit werde in dem Spot „auf sexistische Art und Weise dazu missbraucht, um den Verkauf von Produkten anzukurbeln“ findet Gerhard Höllerer, Präsident der ÖBSV-Dachorganisation. Der Mann ist selbst blind, möglicherweise fehlt ihm da der Abstand und er kann sich nicht vorstellen, welchen Aha-Effekt für Sehende der Spot hat.
Ich denke, der Kommentar von „kkilian72“ unter dem Video auf youtube bringt es ganz gut auf den Punkt: „Durch die Einbindung der ‚Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen’ hat Palmers gezeigt, dass es nicht einfach nur auffallen – und die Vorteile seiner Dessous glaubwürdig vermitteln möchte – sondern auch Rücksicht auf unsere blinden Mitmenschen nimmt, die – was ganz nebenbei mit vermittelt wird – nicht nur auf ihre Behinderung reduziert werden sollten, sondern gerne auch als attraktive Mitmenschen wahrgenommen werden dürfen!“
Wer sich schon einmal mit irgendwie „behinderten“ Menschen unterhalten hat, der wird häufig hören, dass sie das „Mitleid“ ihrer Mitmenschen am meisten stört und sie es als besonders wichtig empfinden, „normal“ behandelt zu werden.
Palmers Marketingleiterin Gudrun Liska geht mit ihrer Argumentation in die gleiche Richtung: Zunächst einmal „ist eine blinde Frau nicht in erster Linie blind, sondern in erster Linie Frau“. Und weiter erläutert sie: „blinde Menschen haben eine wesentlich höhere Sensibilität, sie verlassen sich beim Dessous-Kauf mehr auf das, was ihnen ihre Hände und ihr Körper über das Wäschestück verraten“ Und hochwertige Wäsche fühlt sich zweifelsohne einfach besser an….



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PS: Die Darstellerin im Spot ist übrigens nicht blind. Da finde ich, hätte Palmers bzw. die ausführende Werbeagentur etwas konsequenter sein können!

~ von dessousblog - 15. November 2011.

3 Antworten to “Palmers wirbt mit blinder Frau”

  1. […] negative Schlagzeilen – nach den „Skandalen“ um Gisele Bündchens Spot und Palmers Spot mit einer blinden Frau und . Diesmal ist es das Mutter-Tochter-Motiv von The Lake & Stars, in dem vor allem […]

  2. Der österreichische Werberat hat den Spot nun abgenickt: http://www.news.at/articles/1148/10/313110/palmers-spot-urteil-video

  3. Hier nochmal ein längerer Artikel zum Spot und seiner Rezeption:
    http://www.heise.de/tp/artikel/36/36095/1.html

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